Gute Technik! - Thomas Friemel über Ashoka und IT4Change

Das digitale Informationszeitalter wirft einige Schatten – und ganz viel Licht.

by Thomas Friemel, June 9, 2015

Berlin – Na gut, wir haben dieses Problem mit der NSA. Oder das mit den Waffen, deren Pläne man aus dem Internet ziehen und über einen 3D-Drucker herstellen kann. Oder den Ersatz-Taxidienst Uber, der sich mit seiner App an jeglichem Ordnungs- und Gesetzesrahmen vorbei seinen Platz neben den gelben Wagen in Deutschlands Großstädten erkämpft. Es gibt sicher viele Gründe, das Netz und seine neuen Möglichkeiten zu verabscheuen. Doch mindestens genau so viele, es zu schätzen.

IT zum Wohle der Gesellschaft

Denn wie sich die neuen Techniken auch dazu nutzen lassen, das Gute in die Welt zu tragen, zeigt die IT4Change Wirkungsschmiede, ein Projekt von Ashoka, ermöglicht und begleitet durch SAP. Die älteste und weltweit größte Organisation zur Förderung von Social Entrepreneurship und der Software-Riese aus Walldorf fördern darin junge Social Entrepreneurs, die mit Hilfe der Technik gesellschaftliche Probleme überwinden wollen. Jährlich werden 20 soziale Gründer im Alter zwischen 16 und 27 Jahren aufgenommen, deren Projekte bereits die erste Startphase hinter sich gelassen haben und gemeinwohlorientiert sind. IT soll grundlegender Bestandteil des Geschäftsmodells sein, egal in welcher Form – ob es sich um Software, Internetplattformen, Widgets, Apps oder ganz neue Ideen handelt, wichtig ist nur, dass sie zum Wohle der Gesellschaft eingesetzt wird.

Wie zum Beispiel Serlo. Dahinter verbirgt sich eine kostenlose Online-Plattform (www.serlo.org) mit Lernmaterialien für Schülerinnen und Schüler im deutschsprachigen Raum, bei der alle mitmachen können und diese Community die Materialien ständig verbessert und weiterentwickelt – kurz: so etwas wie Lern-Wikipedia. Die Geschichte begann im nepalesischen Himalaya-Gebirge, in der buddhistischen Klosterschule Serlo (daher der Name der Plattform), die Projektgründer Simon Köhl 2009 als Abiturient besucht hatte. Dort verfügten die Kinder zwar über Computer und Internetzugang – hatten aber keine Lernmaterialien. Die Idee für Serlo war geboren. Heute ist die Seite eine echte Fundgrube für Lernende, dort erhalten sie Kurse, Übungen und Lernpapiere für Fächer wie Mathe, Chemie, Englisch oder etwa für so Exotisches wie Permakultur. Jeden Monat kommen mittlerweile fast 300.000 Schülerinnen und Schüler auf die Seite – Tendenz: stark steigend. Um das Projekt kostenfrei anbieten zu können, wird Serlo durch Spenden von Stiftungen und Unternehmen finanziert. „Mit IT4Change haben wir noch einmal einen echten Schub bekommen“, sagt Simon Köhl, der das Programm 2013 durchlaufen hatte und heute Geschäftsführer des Serlo-Trägervereins Gesellschaft für freie Bildung e.V. ist. „Die Hilfe war nötig, damit wir uns gesund weiterentwickeln können.“

Ähnlich ging es seiner „Mit-Schülerin“ Ekaterina Karabasheva. Mit dem Förderprogramm von Ashoka und SAP konnte die 25-Jährige ihre Idee von einer App für Essgestörte entwickeln und gewann damit nun auch den Aspirin Sozialpreis. Als sie 18 Jahre alt war, erkrankte Ekaterina Karabasheva an Magersucht und kämpfte zwei Jahre lang gegen diese tückische Krankheit: „Jede Woche musste ich einmal die Woche zu meiner Psychologin und meine Aufzeichnungen über sämtliche Mahlzeiten durchgehen. Doch ich hatte oft gar keine Notizen gemacht, weil ich meine Unterlagen vergessen hatte oder weil es mir vor meinen Freunden unangenehm war. Das war alles ziemlich unpraktisch.“ Während ihres Studiums der Kommunikationswissenschaften entwickelte sie schließlich in Zusammenarbeit mit Ärzten der Berliner Charité die App Jourvie. Ihre Vision: Patienten mit Essstörungen während der Therapie zu unterstützen und ihnen zu helfen, die Therapie einfacher und angenehmer zu gestalten – und damit erfolgreicher. Für viele sicher eine Hilfe, immerhin haben rund 2,5 Millionen Deutsche während ihres Lebens mindestens einmal mit einer Essstörung zu kämpfen, so die vorsichtigen Schätzungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Das Ashoka-Programm half Ekaterina, das Projekt konsequent wirkungsorientiert zu entwickeln, erst kurz nach dem Launch wurde die APP bereits über 5000 x heruntergeladen.

IT4Change-Macher Ashoka und SAP helfen Gründern wie Köhl und Karabasheva mit persönlichen Coachings und Strategieberatung, diese erhalten Zugang zu anderen jungen Social Entrepreneurs sowie zum gesamten weltweiten Fellow-Netzwerk von Ashoka, zu Experten und Förderern. SAP-Mitarbeiter begleiten die Projekte über die gesamte Laufzeit – und nicht nur das: Bekommt eines der Projekte eine Spende über Betterplace.org, verdoppelt SAP sie bis zu insgesamt maximal 10.000 Euro.

Das Projekt IT4Change ist Teil von PEP, Programm Engagement mit Perspektive, in dem Ashoka vor allem junge Social Entrepreneurs unterstützt. Seit 2012 wurden über 600 junge Menschen aus etwa 300 Projekten gefördert. Bewerbungen für die zweite Runde sind noch bis zum 14.6.2015 hier möglich.

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